2009
Momente 2009
Nun, da war es…das WM Jahr 2009.
Als ich am 01.01 2009 in den Briefkasten sah, kam mir ein Flyer entgegen wo drauf stand„2009 wird mein Jahr“ – toll oder? Eine Supernachricht in einer problematischen Phase.Die Knie OP hatte ihre Spuren hinterlassen und ich kam nur langsam voran, aber wenigstens ohne den störenden Schmerz. Das Januar-Trainingslager hatte ich gleich bei Seite gestellt, ich bin dort nicht hingefahren…
Das Training ging so vor sich hin, jedoch bin ich mit immer mehr Kraftwiederholungen schlechter im Werfen geworden. Da ich an sich schon kaum weite Würfe hatte war es eine enorme psychische Belastung für mich und ich hatte ziemlich stark mit mir zu kämpfen.
Na ja die Wurfergebnisse blieben im Keller und meine Laune ebenfalls. Da kamen die Ergebnisse der Winterwurf - Challenge sehr unpassend, Kanter mit 69+ im März..?.. Ich dachte wenn er dieses Jahr den Weltrekord verpasst, dann verpasst er ihn für immer. Aber dann kam auch das Ergebnis von Markus Münch (64,90m), sehr gut…Genau das hatte ich gebraucht und es hat mir geholfen. Ich konnte endlich meine Misere vergessen und im Training wieder durchladen, mein Freund Markus(TG) hatte mich auch ständig aufgebaut, so kam das Zusammenspiel ins Rollen und es ging wieder voran.
2008 war sehr anstrengend und viele Sachen waren einfach nicht ausgesprochen…Der ganze Stress… es hing irgendwo immer in den Knochen und zwischendurch kochte immer wieder alles hoch.
Jedes Jahr sind die Monate März und April so ziemlich die schwersten für mich, lange Zeit keine Wettkämpfe, wenig weite Würfe, teilweise Selbstzweifel und und und…
Die erste Belastungsspitze stand an und ich fühlte mich irgendwie so gleichgültig…Ich hatte wenig zu verlieren … Immerhin war ich durch die Knie-OP angeschlagen und des weiteren stand ich irgendwie allein da(außer meiner wunderschönen Freundin, die wohl immer den größten Teil der moralischen Aufbauarbeit leistet), es war also irgendwie schon fast egal für mich was dieses Jahr rauskommt…wenn ich schlecht sein würde, wären es harte drei Wochen nach der WM, aber dann ist auch alles vorbei…Es war schon schrecklich, diese Gleichgültigkeit aber es war so…sicherlich hatte es auch viel mit der ganzen „Suppe“ vom letzten Jahr zu tun.
Da war sie nun die Saison auf die ich so lange gewartet habe und ich war nicht ich selbst, ich war irgendwo aber nicht da wo ich sein sollte. Der erste Wettkampf nach einem absoluten Frusttrainingslager stand an und es lief auch einigermaßen, aber im Alleingang ich habe mich distanziert.
Wiesbaden 66,93m
Halle 64,74m
Berlin, Istaf es war der erste Wettkampf seit langem, den ich genossen habe. Das Stadion, die Stimmung und das Werfen. Ich hatte mit meinem Coach über alles gesprochen, denn es hatte im Training fürchterlich geknallt und ich fühlte mich frei..66,26m und Platz 3, … Im Interview sagte ich, dass würde mir bei der WM auch reichen. Der Wettkampf war außerdem wichtig, weil ich vor dieser riesigen Kulisse ein wenig aufging, ich freute mich plötzlich dermaßen auf die WM. Der Respekt bestand weiterhin, dennoch auf eine andere Art und Weise. Er würde mich nicht erdrücken, sondern pushen. Die Leute haben mich bereits beim Istaf angefeuert und ich wusste, wenn die das bei der WM genauso machen würden, dann wäre alles okay. Es ging aufwärts das einzige Problem, der Rücken. Ich hatte eine Entzündung im ISG und die hatte mir schon seit dem Trainingslager das Leben schwer gemacht. Diese bremste mich noch aus und das Einzige was half, war leider wieder Kortison. Ich wurde behandelt und siehe da, Schönebeck 68,09m und submaximale Würfe, es war also noch etwas drin…
Mir ging es wieder richtig gut, jetzt konnten sie kommen, ich hatte extrem Bock auf die WM
Ein paar Wettkämpfe hier und da aber ich lag nur noch in Lauerstellung, ich wollte unbedingt für diesen einen Tag fit sein. Leider ist das Problem mit dem Rücken immer noch nicht geklärt, ein MRT sollte Klarheit schaffen ob es einen Bandscheibenvorfall gibt oder nicht.
Nach dem MRT, welches ich daraufhin gemacht habe gab es Gewissheit, das lediglich Abnutzungen vorhanden seien. Das Problem gab es dennoch. Nun wurde ich unter einem Bildwandler gelegt um die Stelle genau zu treffen, man muss sich vorstellen das man geröntgt wird, sich aber dabei frei bewegt und man sein Skelett zappeln sieht *funny*.
Ich hatte außerdem noch Steine für meine Zukunft ins Rollen gebracht, ich wollte nämlich studieren und nicht irgendwas, oder Sport wie es die meisten tun, sondern was cooles.
Ich wollte Werbeprofi werden, weil ich oft am Fernseher sitze und mir denke, die Werbung könntest du aber besser machen…und so kam es. Ich musste mich dafür schon im April bewerben um von über 1000 Bewerbern überhaupt in die Klausurrunde zu gelangen. Und? Ich hatte es geschafft, ich war in der Runde der letzten 125. Hier war aber noch nicht Schluss, es sollten nur 75-85 genommen werden. Ich musste also eine vierstündige Klausur schreiben und warten. Gerade als es anfing wieder schwer zu werden, so um die Deutschen Meisterschaften rum, da bekam ich die Nachricht: „ Herr Harting ihre Arbeit wurde korrigiert und bekam den Ausdruck – das rockt!, als ich das hörte, wusste ich, dass ich auch andere Sachen kann und war um einiges entspannter beim Training, was auch davon profitierte.
Deutsche Meisterschaften ULM67,76m, aus dem Training heraus, geil na wenn das nichts wird…
Osteopatie Termin, ein paar gezielte Handgriffe im Vorbereitungstrainingslager in Kienbaum und da war die Lösung, mein ISG wurde frei geknackt. Durch die enorme Muskelspannung konnte sie mir nicht so einfach über die herkömmlichen „Aus-Knack-Methoden“ gelöst werden. Ich hatte mir die Übung gemerkt und konnte sie immer anwenden, wenn das Problem auftrat. Leider habe ich durch das Werfen eine asymmetrische Belastung und bei 80% der Würfe entstehen so maximale Verdrehungen die beim eigentlichen Zurückdrehen nicht wieder richtig schließen und in ihre eigentlich Position zurückgehen. Dadurch hatte ich fast alle zwei Tage diese Probleme…Aber wie gesagt, es gab ja jetzt einen Weg wieder beschwerdefrei zu werden.
Ja , der Tag kam immer näher und es gab nur noch einen Test vor der WM.
Wattenscheid 68,10m Saisonbestleistung und ich hatte noch keinen erwischt. Die Bedingungen waren echt geil aber die Müdigkeit der Vorbereitungen lassen sich nicht von heute auf morgen beheben. Es war besser so, hätte ich dort einen erwischt wäre ich vielleicht anders an die ganze Sache rangegangen. Zurück in Kienbaum und die Interviews häuften sich.
Es waren jeden Tag 2-3 Stück und die Übersicht verlief im Sande, man gab immer schneller die Antworten und achtete nicht mehr auf Wortspiele, so wie ich. Das Resultat ist ja bekannt gegeben worden.
Zeitgleich habe ich mich von meinem Management getrennt, das nicht so gewirkt hatte wie ich mir das vorstellte.
Nun da war sie, die WM stand vor der Tür.
Die Vorbereitung lief *Sahne* und ich freute mich gewaltig.
Ralf Bartels machte seinem kämpferischem Herzen wieder alle Ehre und holte gleich zum Auftakt eine Medaille, gegen eine Megakonkurrenz. Wir saßen alle am Fernseher und ich musste mich so zusammen reißen, am liebsten wäre ich auch endlich an der Reihe.
Passend zur WM meldeten sich wieder die Dopingopfer zu Rat und Tat, die gleichen Leute hatten ein Jahr zuvor ebenfalls angefangen für Unruhe zu sorgen.
Es folgten weitere Medaillen und die Anspannung stieg, in Kienbaum wurde es leerer und leerer, es reisten immer mehr Athleten ab und man wurde schon fast einsam. Aber es sollte so laufen… erst am fünften Tag konnte ich anreisen.
Ich bekam noch einmal eine Behandlung und musste kurz warten als ich einen Anruf von der DPA (Deutsche press Agentur) bekam und ich zu folgendem Thema befragt wurde: Gerd Jakobs soll wieder einmal abstrakte Dinge gefordert haben und nun sollte ich aus der Nationalmannschaft geworfen werden, solche Athleten die bei diesem Trainier trainieren gehören nicht dahin. Pünktlich zu meiner Qualifikation, nicht schon drei Tage vorher, nein pünktlich einen Tag zuvor, meldete er sich wieder, komisch oder? Desweiteren würden er und seine Verbündeten Brillen verteilen wo drauf stehen würde „ich will das nicht mehr sehen…“
Ich fragte mich warum er dann überhaupt vorbei kommt?
Zu diesem Zeitpunkt empfand ich nur noch Wut auf diese Leute, was ich aber nicht wusste war, dass diese Tatsache bewusste verzerrt wurde! Gerd Jakobs hatte das nämlich nicht gesagt, sondern jemand anderes aus diesem Verein. Ich hatte das aber nicht erfahren.
Ich würde die Antwort auf dem Feld geben, dessen war ich mir sicher. Und das tat ich auch.
Endlich an der Reihe, die Form war da, die Lust war da. Es lief einfach und ich wollte endlich werfen. Ich war mir selten so sicher. Das Publikum wollte unsere Mannschaft sehen.
Als ich einlief war es ein Genuss und es fing an zu bibbern, Adrenalin, absolute Nervosität, geil. Es war auch das erste Mal das viele Freunde da waren, klar bietet sich eben an wenn man in der eigenen Stadt ne WM hat. Das einwerfen ging dahin und Kanter, der Topfavorit, warf gleich im ersten Wurf 66,88m, dann der Mitfavorit Malachowski aus Polen 65+, dann endlich kam ich. 66,91m locker durchgeworfen und ich habe noch nicht einmal rangehauen, aber es sind meistens die Würfe die mit viel, viel Einsatz geworfen werden oft die schlechteren…
Da war es nun, das Interview schlecht hin, und der Kern der WM Geschichte zu meiner Person. Als ich in die „mixed Zone“ ging und ein paar Fragen beantwortete meinte ich:
„ach ja schönen Gruß an Herrn Jakobs der scheinbar wieder auferstanden ist und zu seiner Forderung mich aus der Mannschaft zu entfernen, wenn er mit seinen Brillen hier vorbei kommt, hoffe ich das der Diskus wenn er aufkommt gleich weiter zu ihm springt damit er und sein Gefolge wirklich nichts mehr sieht“
So schnell kann man sich eben Ärger einhandeln…ich rate grundsätzlich
jedem davon ab auch nur irgendwas Emotionales nach einer wichtigen Qualifikation oder einem Finale zu sagen es kann sein, dass es nicht ganz passend ist .
Dass ich zu diesem Zeitpunkt den Hintergrund nicht wusste, habe ich ja bereits geschrieben…Aber so schnell geht’s, eine falsche Behauptung der Presse, Emotionen und fertig ist die Schlagzeile…
Als ich im Hotel wieder ankam, brummte meint Blackberry nur vor sich hin und die Google Alerts hämmerten mein Email Account mit massig Pressemitteilungen zu. Immer wieder das Gleiche und da merkte ich, dass da etwas nicht stimmt und dort irgendwas falsch lief.
Mein Trainer bekam grade noch so die Kurve ,hätte er auch noch etwas in meine Richtung gesagt wäre ich wahrscheinlich gescheitert. Es wurde viel Hässliches über mich geschrieben, da ich aber weder Fernseher noch Internet an hatte, habe ich von alldem fast gar nichts mitbekommen, teilweise ein paar Andeutungen, sonst nichts.
Sogar meine Freundin log mich an, als ich sie fragte was denn los sei meinte sie: „hier ist alles in Ordnung, mach dein Ding und ich freue mich, dich danach in den Arm zu nehmen. Wir glauben alle an Dich.“
Hätte sie mir gesagt wie oft die Presse bei Ihr oder meinen Eltern angerufen hat, wäre ich wahrscheinlich beunruhigt gewesen. Jetzt lief alles so gut und dann stürzt sich die ganze Welt auf dieses Interview, so kam mir das vor. Ich traute mich sogar mein Blackberry anzuschalten und das war ein Fehler. Viele Drohungen und Beschimpfungen, Neider aber auch viele loyale Aussagen und Meinungen die das zu schätzen wussten…Dennoch nach zwei, drei kurzen Eindrücken schaltete ich es wieder aus… es war besser so.
Stattdessen stieg in mir die Wut ins unermessliche, ich war so sauer auf die Drahtzieher, auf die Presse, auf mich einfach auf alles ich wollte es allen zeigen…
Der Tag X Leute, heute war es an der Zeit…Doch dieses Theater ging mir nicht aus dem Kopf. Ich dachte, dass alle gegen mich waren und ich wollte irgendwie nicht ins Stadion. Anderseits wusste ich was ich drauf hatte und wie leicht es heute für mich sein würde Bestleistung zu werfen…Ich war hin und her gerissen. Dann der Einmarsch ins Stadion und plötzlich jubelten alle auf der Seite, die mich erkannten…Ich dachte ,mich erwartet hier eine Hinrichtung die seines Gleichen sucht. Zu meinem Glück aber war es eben nicht so.
Somit hieß es wieder Feuer frei…Ich ging bestimmt 25m vor den andren ich wollte loslegen, die anderen waren mir Schnuppe.
Der Wettkampf begann, am oberen Ende der Tribüne waren sie, die 40 lautesten Fans der Welt. Die haben so viel Krach gemacht, toll. Meine Freundin hatte alles koordiniert, denn ich war ja drei Wochen zuvor im Trainingslager. Es gab hier vier, maximal sechs Leute die das Ding hier heute entscheiden und ich war einer davon. Pestano/Spanien, Kanter/Estland, Alekna/Litauen, Malachowski/Polen, Kovago/Ungarn und Harting/Deutschland, geile Action.
Als die ersten Versuche durch waren, kam Malachowski dran und hämmerte gleich ne persönliche Bestleistung und neuen polnischen Rekord raus…68,75, weiter als meine Bestleistung. Er wusste aber nicht das mich das kalt ließ. Schließlich hatte ich einiges drauf. Vor mir kam aber noch ein Favorit, Kanter. Der zeigte sich allerdings beeindruckt und kam auf 65+m. Dann kam ich.
68,25m Saisonbestleistung und der flog sehr tief, er hatte kaum Höhe. Hier erkannte ich die heutigen Möglichkeiten. Alekna konnte auch nicht kontern, Kovago und Pestano ebenfalls nicht. Krass, der erste Durchgang und hier brennte schon die Luft.
Zweiter Durchgang, keine Steigerungen. Auch ich probierte Gas zu geben aber wie oben schon erläutert sind die Würfe oft technisch nicht gut dafür aber mit mehr Einsatz, dennoch kam weniger bei heraus.
Malachowski und ich warfen den dritten Wurf beide zwischen 67 und 67,80m es war also stets eng zwischen uns. Er war der Mann der mich zum Saisonende motivierte, in jedem Wettkampf dieser Saison hatte er mich geschlagen. Ohne jeglichen Leistungsverlust hatte er Wettkämpfe bestritten und und und, mein Trainer sagte während dieser Phase: „Lass ihn nur, du haust ihn bei der WM weg, das reicht“...
Ich wollte nur ihn schlagen und er war immer noch vorn.
Im vierten Versuch ging bei uns beiden nichts Kanter jedoch holte Alekna, welcher die ganze Zeit auf Rang drei war. Kanter warf 66,88m was auch sein Endergebnis gewesen ist.
Es war die Ruhe vor dem Sturm. Malachowski´s fünfter Wurf, 69,15m Bestleistung, nationaler Rekord und zzgl alleiniger Titelfavorit mit fast einem Meter Vorsprung. Mein fünfter Versuch(ich war vor ihm dran) landete bei 67,80m zum zweiten mal an diesem Tag.
Als ich sein Ergebnis sah, dachte ich mir okay das machst du im Letzten. Das war die Initialzündung für meinen letzten Versuch. Als der letzte Versuch anbrach...Alekna keine Steigerung, Kanter keine Steigerung und ich hatte Silber...
Aber da war dieser Pole noch, der der mich das ganze Jahr abgekocht hatte. Ich war mit Silber zufrieden aber ich hatte eben noch keinen erwischt.
Jetzt und hier dachte ich, ich holte die Meute so nah ran wie möglich, sie sollten schreien so laut sie konnten. Ich peitschte das Stadion an, der Sprecher hatte auch mitgemacht und es war so laut, dass ich meine eigene Stimme nicht mehr hörte.
Ich ging in den Ring, schwung an und habe einfach Gas gegeben und drauf gehauen. LINK
Es war so dunkel und habe dem Diskus einfach nur hinterher gebrüllt, er landete und ich hatte es nicht richtig einschätzen können ob es reicht. Was ich aber wusste war, dass ich den erwischt habe und mein Ziel eine neue Bestleistung zu werfen somit erreicht hatte...
Es war Ruhe im Stadion alle warteten auf die Anzeige und dann kam sie...69,43m, man ich bekomme immer noch Gänsehaut obwohl ich nur darüber schreibe... na ja Jubel,Jubel,Jubel...ein geiles Gefühl...
„Mixed Zone“ –Teil II Ich ging also wieder diesen Gang lang nur jetzt hatte ich schon über 20 Fernsehinterviews gegeben und kam jetzt da vorbei wo der ganze Stress angefangen hatte.
Eigentlich wollte ich gerade aus weiter gehen und alle ignorieren aber ich war ja der Sieger dieser ganzen Sache, die Reporter ärgerten sich das sie verloren hatten und Niemanden hinrichten konnten…irgendwie ein tolles Gefühl
Ich wusste gar nicht so recht was ich denken sollte und vor allem was ich sagen sollte. Egal, die Pressekonferenz direkt danach lief so dahin, ich wollte eigentlich schnell zu meinen Leuten und feiern, man geil…ich fühlte mich so frei, so erleichtert, was da alles von den Schultern fiel. Noch nie gab es einen jüngeren Weltmeister der über 69m geworfen hatte…
Dopingkontrolle und viel reden dann hatte ich drei Stunden PR hinter mich gebracht und konnte endlich in den Championsclub fahren und einfach nur entspannt abfeiern, meine Freundin, Familie, alle waren da…
Wir feierten bis das Licht im Club angemacht wurde und wir gehen mussten…
Zurück bei Tageslicht sollte ich zum Brandenburger Tor um dort wieder ein Interview zu geben, eine halbe Stunde später dann die große Pressekonferenz am Tag danach, und die Leute die mich nicht schlachten konnten, wollten es jetzt tun.
Viel Kritik und am Ende haben wir dann doch über den WM Titel gesprochen, war schon lustig. Selbst zwei Tage danach beim ZDF Sportstudio wurde ich nicht in Ruhe gelassen, das Sommerloch hatte mit meinem Interview ein bisschen Puffer gefunden worüber geschrieben werden konnte.
Das Verhältnis zu Eike Emmrich hatte sich in den Tagen während der WM sehr gefestigt und ich war entsetzt als ich von seiner Entscheidung hörte den Verband zu verlassen. Wie dumm muss man sein einen so wichtigen Menschen, nicht nur für mich, sondern für alle Athleten gehen zu lassen. Es sollten weitere Entscheidungen fallen, die mich enttäuschten.
WOCHE EINS DANACH
Zurück in der Wirklichkeit, und ich musste in die Höhle des Löwen…in die Heimatstadt des entrohnten Weltmeisters, des amtierenden Olympiasiegers, ich musste nach Tallin/ESTLAND.
Der erste Wettkampf nach der WM. Wir waren die letzte Disziplin, es war spät und kalt aber ich konnte mich behaupten mit 66+ blieb ich ungeschlagen.
Es folgten ein paar Wettkämpfe die ich gewinnen konnte, es gab auch zwei wo ich den zweiten Platz hinter Alekna belegte. Die Saison endete schließlich und ich war dann auch fix und fertig. Das Schlimmste kam zum Ende. Ich hatte einen Wettkampf in Stettin der begann 20:00, 22:00 war ich wieder im Hotel ,das ich dann 30min später mit meiner Managerin verlassen hatte, da ich zu einem Wettkampf nach Tallin musste. Ja zum zweiten Mal nach Tallin. Ich war 1:30 in Berlin und 6 Uhr ging der Flieger nach Riga, toll oder? In Riga sind wir dann umgestiegen um nach Tallin zu fliegen. Wir hatten zwei Stunden Aufenthalt…
Es gab aber noch die Zeitverschiebung von zwei Stunden, wir landeten nicht =9:30 sondern 11:30 + 2h Aufenthalt = 13:30 + 1h Flug nach Tallin 14:30+ ,05h zum Hotel =15:00 und 16.30 war der Wettkampf…es kamen 62,85m raus, Alekna 64m, Piotr 62,11m Kanter der Einzige der das nicht mit machte, gewann mit 66+. Zu meiner Verteidigung. Wir haben sonderbare Bedingungen gehabt, denn der Ring war auf einem Podest und es ging doch ein wenig Steil abwärts, so das man nicht nur übermüdet an einem Wettkampf teilnimmt sondern auch noch Bedingungen hat, die man nicht kennt. Zudem hatte ich schon ein Mal schlechte Erfahrungen mit Podesten gemacht. Zu krasse Bedingungen für mich an diesem Tag.
Egal vorbei…
Meine Freundin und ich versuchten verzweifelt Urlaub zu buchen, da meine Uni aber begann und der Urlaub erst spät im Oktober genommen wurde(weiß man ja am Jahresbeginn nicht), überschnitt der Urlaub sich mit dem Semesterbeginn. Somit entfiel dieser dieses Jahr.
Auch ein Grund für die Urlaubsabsage war, der Bundeswehrlehrgang, denn fünf Wochen nach Beginn der Uni musste ich 6 Wochen nach Hannover( bis Weihnachten ran)
Das war ne schwierige Zeit, Training spät abends bis 21 Uhr dann Essen, Duschen und Uni lernen…es kotzte mich so an. Zwischen durch stellte die Bundeswehr ebenfalls Prüfungen, so das ich dafür ebenfalls lernen musste.
Bundeswehr vorbei, nur noch Training und Uni. Das Jahr war rum. Am Ende überlegte ich mir was ich gewonnen und was ich verloren habe. Einen Freund verloren, aber viel Erleichterung und Wohlsein gewonnen. 
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