DER HARTING: 2008
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2008

  • JAN 08

Das Training lief ausgezeichnet und dann das…Muskelfaserriss im rechten Beinbeugermuskel. Ich dachte na toll das war´s ohne Schnelligkeit in den Fußgelenken wird es sowieso nichts. Ich machte bedingt zwei Wochen Pause mit allen Beinübungen.

  • FEB 08

Der Faserriss ist nun schon fast fünf Wochen her, ich habe wieder mit dem Werfen begonnen und glücklicherweise nicht viel Substanz verloren. Der Erste ging so, der Zweite war schon besser. Jetzt stand die Ausscheidung zur Winterwurf Challenge in Split/CRO in Kienbaum an. 62,99m und dabei keinen getroffen

  • MÄR 08

Der März stand ganz im Zeichen der Winterwurf Challenge in Split. Da würde ich jetzt endlich nach einem halben Jahr wieder auf Kanter, Smith un Co. treffen und sehen wie sie drauf sind und vor allem wo ich stehe. Der Wettkampf. Platz 2 hinter Kanter und vor Smith(dieselbe Platzierung wie bei der WM 07) mit 64,25m. Zufrieden.

In 07 war ich zum selben Wettkampf in Yalta/UKR. Da hatte ich auch viel drauf lediglich die Tatsache, dass mein gesamtes Gepäck nicht mit kam, die Delegation nur eine XXL Größe dabei hatte( bei den Werfern eine XXL J ) und ich mir ohne alles, Sachen leihen musste und den Wettkampf dann mit 90% fremder und zu kleinen Sachen bestritten habe. Mit 58m war ich 9. und konnte mir danach anhören, dass ich mich wie ein Anfänger verhalten hätte. (bei den oben aufgeführten Vorkommnissen hätte jeder Leichtathlet den Wettkampf abgesagt)…aber 2007 ist ja bekanntlich vorbei.

  • APR 08

Wir haben alles so geschafft, wie wir uns es vorgenommen hatten und jetzt ging es auf die erste Wurfspitze in Albufeira/POR zu. Dazu gehört auch, dass man an seiner Schnelligkeit arbeitet und wie vorher gesagt, riss die alte Verletzung wieder auf. Das war ein Dämpfer, der mich ziemlich aggressiv gemacht hatte und mich weiter trainieren ließ. Was ich nicht wusste, es bahnte sich eine weitere Verletzung an. Die Ursache war, dass ich dem einen Schmerz ausgewichen bin und somit mein rechtes Knie fehl belastete. Am Anfang des zweiten Lehrganges, Ende April, entzündete sich mein rechtes Knie. Ich brauche glaube nicht weiter zu erzählen, wie ich mich gefühlt habe und gleichzeitig brauch man hier nicht erwarten das man hier eine technische Entwicklung nehmen kann.

  • MAI 08

Erste Spritze ins Knie, zusätzliche Entzündung der Plantarsehne (Fußsohle), und Dopingkontrolle des gesamten A-und B- Kaders des nationalen Wurfbereichs in Portugal unter gewöhnungsbedürftigen Bedingungen. Das TL verlief mit vielen Aggressionen(3 Verletzungen) aber auch mit der Gewissheit, unter Verletzungen bis zu einem bestimmten Punkt Leistung zu entwickeln. 17 05 08 Versmold, das Projekt 1. Versmolder WurfCUP. Es war das einzige total verregnete Wochenende im Mai, das Einzige…Das war eine Belastungsprobe, der wir aber mit Leistung standhielten. Ergebnisse s. Rubrik Wettkämpfe Mein Hauptsponsor KRAFTVERKEHR NAGEL finanzierte den gesamten Cup und hat somit ein Zeichen in der Region und ein Zeichen für die Darstellung der Wurfelite gesetzt. Es gab im Nachhinein 100% positives Feedback, jeder Trainier und Athlet der eingeladen war, fand es als Super-Premiere. Das Wochenende danach fand in Halle, das nächste Highlight, im Wurf statt. Überschattet von meinem Interview, welches ich in der MDZ drei Tage zuvor gegeben hatte. Es wird sich jeder an die wahrheitsgemäßen aber unangebrachten Worte „Säufer“, „Egozentriker“ und „Model“ erinnern können. Natürlich verschworen sich alle gegen mich…na und! Das Thema beschäftigte die Presse bis in den späten Sommer. Bis zu einer angeblichen Unterlassungsklage von Herrn M., die ich bis heute noch nicht unterschrieben habe weil sie nie kam…

Halle    67,64m Bestleistung

  • JUN 08

Istaf      67,70m wieder Bestleistung

Kaunas 68,65m wieder Bestleistung alle im Abstand einer Woche

nach dem Ding war aber erst einmal die Luft raus. Zwischendurch bekam ich wieder mal ne Spritze ins Knie, doch das kann keine Lösung auf Dauer sein, dachte ich mir und der Arzt bestätigte das.

  • JUL 08

Die Vorbereitung kam immer näher, dieses blöde belastende Thema Olympia setzte sich jetzt allmählich auch in meiner Birne fest und so was stört und macht kein Spaß. Zu meinem Knie, der Sehne am Fuß, kam jetzt der entzündete Finger dazu. Wenn man immer wieder mit solchen dummen Sachen Zeit verschwendet macht das alles doch kein ‚Fun’ mehr. Die Deutschen Meisterschaften waren abgehakt und ich konnte meinen Titel verteidigen. Dennoch dieses heilige und ober-heilige Olympia stand ja noch an und ich stand mit dem Rücken zur Wand. Schmerz hier da und da und ääähhh ne Medaille wollte ich auch noch, ich habe es schließlich ein Jahr öffentlich von mir gefordert. Ich konnte nicht Werfen(Finger), kaum Krafttraining machen(Knie) und nichts schnelles trainieren(Sehne). Ich freute mich schon jetzt auf die Trainingspause nach den Spielen. Dann kam der Punkt wo ich mir sagte, wenn ich jetzt weiter rum jammern würde, bräuchte ich gar nicht erst hinfahren. Deshalb stellte ich das alles ab, in irgendeine Kammer des Gehirns und bemühte mich zu vergessen. Nebenbei wurde meinem Trainer und dessen Vergangenheit auch viel zugesetzt und es sind Dinge ans Tageslicht gekommen von denen ich auch sehr überrascht war. Es ging dann auch wieder aufwärts der letzte Formtest am 01 08 08 stand an und der ist eigentlich ausschlaggebend für das Auftreten bei den Spielen.

  • AUG 08

Es waren 66,96m unter voller Belastung, ich war happy und Olympia kann kommen. Am Montag den 4.8. sollte es losgehen mit 11 h Flugzeit und vier Stunden Aufenthalt. Das Theater mit meinem Trainer riss dann für kurze Zeit auch ab und man konnte mal so tun als wenn alles okay wäre. Dennoch  standen wir nun mehr den je unter Druck. Das wiederum, machte es unmöglich Spaß bei der Sache zu haben. Zudem war ich der einzige Diskuswerfer aus einem Diskusland. Franka war nicht dabei und nicht einmal ein zweiter männlicher Diskuswerfer. Meine Stimmung war innerlich ernüchternd äußerlich durfte ich auch kein Anschein von Müdigkeit oder Schwäche zeigen, weil ich dann gleich wie ein Kind „betuttelt“ wurde (NERV). Ich baute innerlich Abstand zu fast allen Anwesenden auf, es ging mir dann richtig auf die Eier, dass jeder mit sich selbst beschäftigt war und nicht wie in 2007 eine geile Truppe am Tisch saß. Die Leute konnten auch nichts dafür aber die ganze Situation war einfach belastend und man hat sich in der Vergangenheit bewegt und verglichen, „wie war denn das letztes Jahr?“ Am dann die 08.08.08 Eröffnungsfeier, nicht mal hier habe ich mich gefreut. Die Tage kamen näher und die Form ging dahin, der Finger tat sein übriges und in mir bewegte sich nur noch Frust.

Abreise: Der letzte Wurftest war blind, ich hatte zwar weit geworfen aber für mich bringt das nichts, wenn ich nicht genau den Wurf erfühlen kann. Die Zuschauer und Trainer sahen Zuversicht und stellten mich in vorderster Reihe im Finale auf, ich aber hatte dann einfach nur Lust nach Hause zu fahren und allen den Finger zu zeigen. Ankunft im Olympischen Dorf, erste Schreckensmeldung von Ralf Bartels, er hätte sich einen Muskelfaseriss zugezogen, was sich hinterher auch bestätigte. Das einzig positive am Dorf war, das mein Zimmerwunsch mit Markus Esser(HAMMER) und Carsten Schlangen(1500m), berücksichtig wurde. Es war außerdem interessant, dass man jetzt auch noch Turner und andere Sportler wieder traf, die man sonst nur im Bundesleistungszentrum Kienbaum sah.

„TAG X“ QUALIFIKATION

Nun ja nachdem mich mein Trainer gleich den ersten Tag umstimmte meine Wurfeinheit zu verschieben und diese dann letzten Endes wegen Regen ganz ausfiel, hatte ich ganze SECHS TAGE nicht geworfen und trete jetzt bei den Olympischen Spielen ohne jegliches Wurfgefühl an, toll. Wie man im Fernsehen dann auch sehen konnte viel mir das nicht ganz so leicht. 8. Platz nach der Qualifikation und nur noch zwei Tage Zeit etwas zu tun, um Gefühl zu entwickeln. Es gab tausende Athleten im Dorf und ich war so gut wie immer allein oder mit Leuten unterwegs, mit denen ich eh nicht viel anfangen konnte. Also war ich dann doch allein.

FINALE

Heute war der Tag des Finales und ich wollte es nur noch hinter mich bringen, ich musste endlich die schlechte Quali vergessen und mich langsam konzentrieren. Endlich ist der Tag gekommen über den das ganze Jahr gesprochen wird, endlich. Ich habe mich auch über den nächsten Tag gefreut, da dann alles von meinen Schultern fallen würde und ich so oder so zu Hause mit offenen Armen empfangen werden würde. Das Jahr war so anstrengend und zum Schluss extrem belastend. Ich hatte keine Angst, die ansteigende Nervosität und der ewige Frust über die Vorbereitung überlagerten Alles. Ständig musste man aufpassen: Nicht zu lange sitzen, nicht zu wenig essen, kein Wasser aus dem Hahn oder Dusche trinken oder gar in den Mund kommen lassen, immer die Jacke an und die Jacke aus, bloß aufpassen das man nicht krank wird, Vitamine noch und nöcher, entspannen, ewig langweilen, wieder aufpassen das man nicht zulange sitzt und und und bloß kein Spaß haben. Der DOSB gab aus seinen gut gelagert Kellern nicht mal ein Bier am Abend zuvor her, um für Entspannung zu sorgen. Aber großspurig Warsteiner als Sponsor her zeigen. Geizig und penibel und dazu die falsche Fahne an alle heraus geben( haha) Dabei frage ich mich wie es jemand anderes an meiner Stelle gemacht hätte.

Die Stunden vergingen einfach nicht. Dann die Erwärmung, die Standartworte des Trainers und da war ich nun.

1. Wurf eigentlich wie in der Quali obwohl ich beim Abwurf ein besseres Gefühl hatte.

2. Wurf nicht viel besser aber ich komme unter die letzten acht.

Piotr/POL hat mich nicht überrascht, er war völlig frei im Kopf, einfach stark

3. Wurf ganz gut erwischt aber viel zu flach, einen Meter höher und bräuchte mir keine Sorgen machen. Die Anzeige brachte 67,09m (mein erster Gedanke war: damit wirst du Vierter) und innerlich war ich zufrieden. Es war so schwer diese blöde Drehung mit ihren verdammten Details so hinzukriegen, dass dieses Ding 67m fliegt. Ausgerechnet zu Olympia fehlt mir das Gefühl.

4./5. Ich war eigentlich schon fertig, ich hörte sogar die Leute von der Tribüne rufen, die höre ich sonst nicht.

Der letzte Versuch: ich war vierter, ich weiß wie sich die Leute fühlen, die einen Medaillenrang haben und es geht jemand in den Ring der weit werfen kann. Ich wusste aber nicht wie sich die Leute fühlen, die noch einen zeigen müssen um Edelmetall abzustauben.

Das weiß ich jetzt.

Tag 1 danach

Ich wachte auf und hatte keine Schmerzen mehr, ich fühlte mich blendend und ging zum Training. Wie ich über gewisse Leute denke sag ich hier jetzt nicht an dieser Stelle, es kommt sowieso nur falsch rüber.

  • SEP 08

Die Spiele sind durch, Geschichten werden rauf und runter gesungen, meine Interviews sind alle ziemlich dumm gelaufen. Ich habe meinen vierten Platz schlecht verkauft. Den ein oder anderen Wettkampf habe ich noch bestritten.

  • OKT 08

Die Saison ist vorbei, ENDLICH!!! Nun standen andere Entscheidungen an… Ich habe mich nämlich einer Knie - OP unterzogen, da ich bereits mehrere Kortisonspritzen in der Saison bekommen musste. Ich war ziemlich nervös, schließlich habe ich nächstes Jahr die WM in der eigenen Stadt. Letzten Endes fiel mir die Entscheidung dann doch recht leicht, denn mehr kaputt machen hätte ich nicht können. Zu den Problemen am Vorderknie kam auch noch der Meniskusriss, welcher ebenfalls gleich repariert wurde.

  • NOV 08

Die OP ist vorüber und ich genieße das Leben einer Couch Potato, cool. Als ich dann endlich die Gehhilfen liegen lassen konnte, ging es auch recht schnell voran. Nach zwei Wochen Reha-Training dann der Schock, ich hatte eine falsche Bewegung gemacht, die mich dann wieder zwei Wochen zurück warf *kotz*. Ebenfalls die Stoßwellentherapie für die Plantarsehne zeigte keine Wirkung *doppelkotz*

  • DEZ 08

Ich arbeitete nun schon zwei Wochen vor mich hin, die Physiotherapie sprach mir dennoch Mut zu, genauso wie meine Freundin. Ich wollte eine zeitlang gar nicht mehr ins Bett gehen, da ich den nächsten Morgen sowieso nicht voran gekommen wäre, das war bitter. Dann plötzlich bewegte sich etwas und somit ging es wieder. Ich konnte jetzt sogar einen Wurftest machen, den ich auch unbedingt haben wollte, wenigstens noch in diesem Jahr. Am 31.12.08  9 Stunden vor Jahreswechsel kam dann die Erlösung: 60,44m, das beruhigte mich.




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